Al-Aqsa: Der Moment der Gefahr ist gekommen. Wird die muslimische Welt handeln?
9. 6. 2026
Dies ist der letzte Akt der Kolonisierung. Jerusalems islamische Identität wird ausgelöscht, Name und Bedeutung werden neu genutzt, um der israelischen Kolonialordnung zu dienen
1. Juni 2026 um 17:53 Uhr
Muslimische Gläubige strömen zur Al-Aqsa-Moschee in der Altstadt von Ostjerusalem, um am 27. Mai 2026 das Eid al-Adha (Fest des Opfers) zu verrichten. [Mostafa Alkharouf – Anadolu-Agentur]
von Ismail Patel
Eine exklusive Untersuchung von Middle East Eye in der vergangenen Woche enthüllte, dass beide, die USA und Israel sich koordinierten, um Jordanien die Obhut über den drittheiligsten Ort des Islam zu entziehen.
Dies ist kein diplomatisches Manöver. Es ist der Höhepunkt einer systematischen Kampagne, die islamischen Präsenz im Besetzten Jerusalem auszulöschen und ein direkter Aufrufs an Muslime weltweit, aus einem gefährlichen und mitschuldigen Schlaf zu erwachen.
Wenn die Ankündigung erscheint, wird sie die Sprache des Pluralismus als Maske tragen. Sie wird "multireligiöses Zusammenleben", "gleicher Zugang" und "gemeinsames Erbe" beschwören.
Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich die Realität; es ist der letzte Akt der israelischen Kolonisierung. Jerusalems islamische Identität wird ausgelöscht, ihr Name und ihre Bedeutung werden neu genutzt, um der israelischen Kolonialordnung zu dienen.
Middle East Eye berichtete, dass beide, Washington und Tel Aviv "aktiv daran arbeiteten", Jordanien seine historische Verwaltung über die Al-Aqsa-Moschee zu entziehen. Der Plan würde die Autorität des jordaniengestützten islamischen Waqf abschaffen und durch ein von der israelischen Regierung geschaffenes Gremium ersetzen.
Diese neue Entität würde Al-Aqsa zu einem "multireligiösen Zentrum" erklären und Juden "gleichen Zugang" gewähren. Sie würde Israel erlauben, Imame und Amtspersonen zu ernennen. Israelische Behörden hätten eine Freigaberecht bezüglich des Inhalts der Freitagspredigten.
Die Trump-Regierung möchte, dass al-Aqsa seiner islamischen Identität entzogen wird. Sie würde dann neu verpackt als Touristenattraktion, die alle drei abrahamitischen Religionen beherbergt.
Dies ist kein bloßer Vorschlag. Es ist ein Bauplan für Ethnozid.
Die systematische Kampagne zielt darauf ab, Jerusalem von seiner muslimischen Identität zu säubern und die Geschichte und Präsenz, die diesen heiligen Ort geprägt haben, unsichtbar zu machen.
Der derzeitige Prozess des Entfernens Jordans Vormundschaft ist nicht neu; vielmehr handelt es sich um die Offizialisierung der fortlaufenden israelischen Kolonisierung.
Die Realität ist, dass der Status quo, die Al-Aqsa als islamisches Heiligtum unter dem Waqf anzuerkennen, schrittweise erodiert wurde, was die bewusste Strategie widerspiegelt, Autorität und Identität von Muslimen weg hin zu einer israelischen Kolonialordnung zu verschieben.
Das ist keine Frage der Spekulation. Die Beweise sind konkret, dokumentiert und wachsen mit jedem Jahr.
Ein Bericht der israelischen Überwachungsgruppe Ir Amim aus dem Jahr 2025 verzeichnete einen beispiellosen Anstieg jüdischer Überfälle auf das Aqsa-Gelände. Die israelischen Behörden bieten Polizeischutz.
Sie nutzen zunehmend jüdische und nationale Feiertage, um die Zahl der Israelis, die Al-Aqsa betreten, zu erhöhen. Der Forscher Aviv Tatarsky erklärte schlicht: "Unter dem Deckmantel religiöser jüdischer Verbindung übernimmt Israel stetig die Kontrolle über die heilige Stätte."
Al-Aqsa begrüßte einst Hunderttausende zum Freitagsgebet. Heute, aufgrund israelischer Beschränkungen und der Belästigung von Muslimen, gibt es nur noch wenige Tausend und manchmal Hunderte für den täglichen Gottesdienst.
Israel hat bereits die vollständige Kontrolle darüber, wer al-Aqsa betritt und verlässt.
Die palästinensischen Gläubigen auferlegten Einschränkungen sind nicht willkürlich. Sie sind der kalkulierte Ausdruck einer kolonialen Abnutzungslogik. Allein in diesem Jahr wurden über 600 Palästinenser von Al-Aqsa ausgeschlossen. Dreißig Waqf-Mitarbeiter wurden ihre Einreisegenehmigungen entzogen, und sechs Imame wurden zum Schweigen gebracht und vom Predigten ausgeschlossen.
Wie Ekrima Sabri, leitender Imam von Al-Aqsa, feststellt, sind das "beispiellose Maßnahmen", die darauf abzielen, Dominanz durchzusetzen. Wo wir einst gewarnt haben, dass Al-Aqsa in Gefahr sei, müssen wir jetzt erkennen, dass sie einer Vielzahl von Gefahren gegenübersteht, von denen jede die andere verschärft.
Achse der islamischen Identität
Im vergangenen Monat organisierten israelische Minister und Parlamentarier Massenüberfälle in Al-Aqsa.
Ein israelischer Abgeordneter forderte offen, Al-Aqsa abzureißen und durch einen jüdischen Tempel zu ersetzen. Israelische Flaggen wurden im Aqsa-Gelände gehisst.
Gleichzeitig hat Israel die Beschlagnahmung palästinensischen Eigentums in der Nähe der Chain Gate-Straße vorangetrieben, einem wichtigen Zugang zur Altstadt Jerusalems. Dies ist Teil der beschleunigten Judaisierung Jerusalems.
Acht arabische und islamische Staaten verurteilten die Schließung von Al-Aqsa während Israels Krieg gegen den Iran. Während dieser Zeit war al-Aqsa für 40 Tage versiegelt. Es war ein Akt kolonialer Herrschaft, der den muslimischen heiligen Raum den Launen der Besatzung auslieferte.
Ich sage das so direkt, wie ich etwas sagen kann. Die größte Bedrohung der muslimischen Welt ist derzeit nicht nur die israelische Aggression, die von amerikanischer Macht unterstützt und finanziert wird – sondern auch die Apathie, die Spaltung und die institutionelle Lähmung derjenigen, die al-Aqsa für sich beanspruchen.
Für Muslime ist Al-Aqsa kein durch diplomatische Kommuniqués zu verwaltend kulturelle Erbstätte. Es ist das erste Qibla, der Ort der nächtlichen Reise und Himmelfahrt des Propheten Muhammad, die heiligste Moschee und eine lebendige Achse islamischer Identität und Zivilisation. Ihre Entweihung ist nicht bloß eine geopolitische Provokation. Es ist ein Angriff auf das kollektive Gedächtnis und die Selbstsein von über zwei Milliarden Menschen.
Und doch beobachtet die muslimische Welt, gibt Erklärungen ab und kehrt zu ihrem Schweigen zurück. Regierungen, die echten wirtschaftlichen und diplomatischen Druck ausüben könnten, berechnen ihre Interessen und schauen weg.
Die Umma, die Straßen füllen könnte, blättert stattdessen zurück.
Schweigen ist Komplizenschaft
Für diejenigen außerhalb der muslimischen Welt bleiben die Einsätze groß. Was sich entfaltet, ist die Formalisierung der kolonialen Souveränität über ein von mehr als zwei Milliarden Menschen verehrtes Gelände.
Dieses Handeln würde einen Präzedenzfall schaffen. Dass die langsame Gewalt der Auslöschung, wenn sie mit ausreichender Propaganda und imperialer Unterstützung ausgeführt wird, nicht nur toleriert, sondern letztlich belohnt wird.
Die Arabische Organisation für Menschenrechte hat die systematische Natur dieser Verstöße akribisch dokumentiert. Die globale Gemeinschaft hat sich größtenteils für das Schweigen entschieden. Dieses Schweigen ist nicht neutral. Es ist Komplizenschaft.
Die elfte Stunde ist bereits gekommen. Die muslimische Welt und alle, die sich gegen die koloniale Auslöschung stellen, müssen sofort alle diplomatischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und moralischen Mittel mobilisieren.
Wenn wir jetzt nicht handeln, mit voller Wucht von Gewissen und Überzeugung, wird die Sprache des Koexistenz benutzt worden sein, um eine zionistische Enteignung zu vollenden, die Jahrzehnte in Vorbereitung war.
Dieser Artikel wurde erstmals am 1. Juni 2026 in Middle East Eye veröffentlicht
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